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In der Chasmologie – der Wissenschaft des Gähnens – kursieren viele Theorien über den Ursprung und die Funktion dieser körperlichen Reaktion. Was steckt dahinter?

Wissenschaftler beschäftigen sich schon lange mit dem Gähnen, allerdings ist die Suche nach dem „Warum“ noch lange nicht abgeschlossen. Viele Fragen gelten noch als ungeklärt – eines können wir doch schon mit Sicherheit sagen: Die bekannteste Theorie um die Entstehung des Gähnens, die noch heute fälschlicherweise weit verbreitet ist, wurde bereits 1987 widerlegt: Wir gähnen nicht, um unseren Sauerstoffgehalt im Blut zu erhöhen, auch wenn viele Menschen das heute noch glauben. Der US-Psychologe Robert Provine wies nach, dass der Sauerstoffgehalt der Luft keinen Einfluss auf das Gähnen hat.

Wann gähnen wir?

Wir gähnen nicht nur, wenn wir müde sind. Auch in Stresssituationen oder bei Angst neigen wir dazu. So kann es zum Beispiel passieren, dass Fallschirmspringer vor ihrem Sprung anfangen zu gähnen oder Schüler vor einer wichtigen Prüfung. Dieser Umstand ist nicht mit Müdigkeit zu erklären.

Neusten Erkenntnissen zufolge liegt der Grund für unser Gähnen bei der Temperatur des Gehirns. Eine aktuell führende Hypothese besagt, dass das Gähnen wichtig ist, um die Arbeitstemperatur aufrechtzuerhalten. Stress, Müdigkeit und Angst erhitzen unser Gehirn, was die Reaktionszeit verlangsamt und die Gedächtnisleistung beeinflusst. Beeinträchtigungen konnten schon bei einer geringfügigen Abweichung der Temperatur von nur 0,1 Grad Celsius von der Idealtemperatur von 37 Grad gemessen werden. Das Gehirn ist ein empfindliches Organ und kann schnell erhitzen, sagt Andrew Gallup, Psychologe an der State University im US-Bundesstaat New York. Angst, Hunger und Stress sind mögliche Ursachen für eine erhöhte Temperatur. Im Schlaf ist unsere Gehirntemperatur sogar am höchsten, weshalb viele Menschen besonders morgens gähnen. Durch das tiefe Einatmen kühlerer Luft, sinkt die Temperatur im Gehirn. Auch die Ergebnisse mehrerer Studien der letzten Jahre passen zu dieser Theorie: Menschen gähnen im Sommer öfter als im Winter.

Fest steht also, dass Müdigkeit bei weitem nicht den einzigen Grund für unser Gähnen darstellt.

Ansteckungsgefahr beim Gähnen?

Im Laufe unseres Lebens gähnen wir im Schnitt rund 250.000 Mal und das jeweils sechs Sekunden lang. Ähnlich wie beim Niesen und Schluckauf ist der Vorgang, hat er einmal angefangen, nicht mehr aufzuhalten. Auch in der Tierwelt ist gähnen weit verbreitet, fast jedes Säugetier gähnt. Umso unglaublicher ist es, dass wir eine solche körperliche Reaktion, die jeder von uns kennt, noch so wenig erforscht ist. Dies liegt vor allem daran, dass Gähnen kein lebensnotwendiger und wichtiger Vorgang ist und daher auch keine Relevanz in der Forschung erfährt. Aber wie sieht es mit der weiterverbreiteten Annahme aus, dass Gähnen ansteckend ist? Das stimmt tatsächlich. Menschen lassen sich vom Gähnen anstecken, vor allem, wenn eine ihnen nahstehende Person damit beginnt. Und nicht nur das, auch unsere Haustiere – insbesondere Hunde – gähnen unter Umständen herzhaft mit uns mit.

Warum das so ist, ist allerdings noch nicht einwandfrei geklärt. Manche Wissenschaftler sehen den Grund für die Ansteckung in der Empathiefähigkeit. Menschen, die sich von dem Gähnen seiner Mitmenschen anstecken lassen, gelten als besonders empathisch.

Andrew Gallup ist allerdings von dieser Theorie nicht überzeugt. Gallup geht von einer sozialen Funktion aus – indem jedes Mitglied einer Gruppe gähne, sei sichergestellt, dass jeder wachsam ist und Gefahren oder potenzielle Angreifer schnell erkennt. Diese Annahme unterstützt auch die Tatsache, dass Gähnen oft mit einem Strecken der Gliedmaßen einhergeht. Dies erhöht den Blutdruck und mache die Personen zusätzlich aufmerksamer, glaubt Gallup. Der Grund, warum wir gähnen, ist also noch nicht eindeutig geklärt. Es scheint komplexe Zusammenhänge zwischen unserem Gehirn und der Reaktion des Gähnens zu geben. Fest steht heute allerdings schon, dass Gähnen definitiv ansteckend ist.